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Gewalt ist kein Kavaliersdelikt

Projekt "Lehrlinge gegen Vandalismus und Gewalt im Öffentlichen Verkehr"

Die Erfahrungsberichte von Gewaltopfern sind zahlreich und schockierend. Gerade Mitarbeiterinnen in Dienstleistungsberufen müssen sich oft mit verbaler und/oder physischer Gewalt auseinandersetzen – in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Gesundheitsbereich oder  im Hotel- und Gastgewerbe.  Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten – Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (GdG-KMSfB), die Gewerkschaft vida und die Arbeiterkammer Wien setzten deshalb am Dienstag, dem Internationalen Tag gegen Gewalt, ein Zeichen, indem sie zur Tagung „Tatort Arbeitsplatz“ luden.

 Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek betonte die zahlreichen Maßnahmen im Bereich Gewaltschutz, die seit vielen Jahren gesetzt wurden. Zentral seien Betriebsvereinbarungen gegen Belästigung und Gewalt im Job: „Ich würde mir wünschen, dass es in jedem Betrieb eine Vereinbarung gibt. Man muss bereits bei der Prävention ansetzen.“ Auch das Bewusstsein für Gewalt an Frauen müsse noch geschärft werden.

 Angela Lueger, stellvertretende Vorsitzende der GdG-KMSfB, und Elisabeth Vondrasek, stellvertretende vida-Vorsitzende, kündigten ein gemeinsames Projekt an, das Bewusstsein für Gewalt am Arbeitsplatz schaffen soll. Unter dem Titel „Lehrlinge gegen Vandalismus und Gewalt im Öffentlichen Verkehr“ setzt man gerade bei den Jüngsten in der Arbeitswelt an. „Ich erwarte mir positive Effekte, wenn wir bei den Jugendlichen beginnen. Wichtig ist, dass dieses Projekt auf Augenhöhe stattfindet und nicht von den „Erwachsenen“ diktiert wird“, so Lueger.
„Der Druck in der Arbeitswelt steigt immer mehr und irgendwann entlädt er sich“, weist Vondrasek auf die Entstehung von Gewalt hin. Oft könnte Gewalt am Arbeitsplatz aber auch verhindert werden, z.B. durch eine bessere Einteilung müsste niemand in der Nacht alleine im Einsatz sein.

„Dieses Thema geht uns alle an“, appelliert Renate Anderl, Frauenvorsitzende des ÖGB. „Gewalt am Arbeitsplatz hat mehrere Facetten, einerseits die physische Gewalt, andererseits psychische Gewalt wie Belästigung und Mobbing. Letztere ist oft nicht sichtbar und wird nicht wahrgenommen.“ Wichtig sei, nicht wegzuschauen und den Mut zum Handeln haben. „Man muss die gesamten KollegInnen im Betrieb sensibilisieren: Was ist Gewalt und wie verhalte ich mich richtig?“, ergänzt Renate Blauensteiner, Vizepräsidentin der Wiener Arbeiterkammer.
 David Reichel von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), rief noch einmal jene EU-weite Umfrage in Erinnerung, wonach jede dritte Frau (33 Prozent) seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat. Mehr als jede Zweite (55 Prozent) gab an, nach ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt worden zu sein – in 32 Prozent der Fälle war der Täter ein Chef, Kollege oder Kunde. 

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