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Gewerkschaft vida: Gastro-Branche muss endlich neue Wege gehen

vida-Tusch: „Wer gute Bedingungen bietet, hat keine Personalsorgen“

„Das reflexartige Hinhauen auf arbeitslose Menschen bzw. MindestsicherungsbezieherInnen wenn es um den Personalmangel in der Gastronomie geht, ist leider ein gutes Spiegelbild der Branche“, kommentiert Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida, Aussagen von Funktionären der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer im heutigen Kurier. „Es kann nicht sein, dass wir Jahr für Jahr das gleiche Spiel spielen. Solange die Branche nicht bereit ist, sich zu ändern und nur mit dem Finger auf angebliche Schuldige zeigt, werden wir uns diese Jammerei anhören können“, stellt der vida-Gewerkschafter klar.

Gastronomie muss Zeichen der Zeit erkennen

„Ja, die Gesellschaft und die Bedürfnisse der Beschäftigten haben sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. Gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass sich die Gastronomie aus ihren alten Mustern löst“, stellt Tusch klar. Planbarkeit in den Dienstplänen und nicht Dienst auf Abruf ist gefragt, so Tusch: „Gerade junge Menschen, die vielleicht eine Familie gründen oder einfach ihre sozialen Kontakte pflegen wollen, werden durch diese volatilen Dienste abgeschreckt. Viele wissen heute oft nicht, ob und wie sie morgen Dienst haben.“ Dass die Branche vielen  Schwankungen unterworfen ist, ist auch Tusch bewusst: „Dieses Risiko darf aber nicht nur dem Personal umgehängt werden, sondern es bedarf einer entsprechenden Dienstplangestaltung und Personaldecke.“

Dienstplansicherheit gefragt

Aus vielen persönlichen Gesprächen weiß Tusch außerdem „dass viele gerne Vollzeit arbeiten würden, das aber nicht können, da viele Wirte die Beschäftigten nur ein paar Stunden brauchen. Wo hier der Anreiz liegt, sich in eine Gastro-Karriere zu stürzen, muss mir auch erst jemand erklären.“ Selbstverständlich muss in der Gastronomie auch am Wochenende gearbeitet werden, betont Tusch: "Das wissen auch die Beschäftigten und sie machen es auch gerne. Was aber nicht sein kann ist, dass sie jede Woche ihr Wochenende opfern müssen!“ Als Vorbild für die Dienstplangestaltung nennt Tusch andere vida-Branchen, beispielsweise im Verkehrs- oder Gesundheitsbereich.

Finger weg von der Mindestsicherung 

Gastro-Betriebe, die gut ausbilden und gute Rahmenbedingungen bieten, werden kaum Probleme haben ausreichend Personal zu finden, versichert Tusch: „Auch wer seine Lehrlinge qualitativ hochwertig ausbildet, hilft der Branche!“ Als „letztklassig“ bezeichnet Tusch Rufe aus der Wirtschaftskammer die Mindestsicherung zu kürzen, damit der Abstand zu den Löhnen wieder größer wird: „Die Mindestsicherung hilft Menschen, die ohnehin wenig bis nichts haben. Hier zu streichen lehne ich entschieden ab!“

Öffentlichen Verkehr ausbauen

Kein Verständnis hat Tusch für den Vorwurf, die Beschäftigten seien zu wenig mobil: „Viele junge Menschen, gerade im urbanen Bereich, haben kein Auto mehr. Für sie stellt das Pendeln eine große Herausforderung dar. Was machen sie, wenn kein Bus mehr nach Dienstschluss fährt?“ In diesem Zusammenhang drängt auch der Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs: „Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz ist das Rückgrat von Wirtschaft und Beschäftigung. Natürlich muss auch sichergestellt werden, dass die Verkehrsinfrastruktur im Land weiterhin für die Bevölkerung leistbar und somit allen zugänglich bleibt."

 

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